8 Fragen an: Katrin Scheib - Schwabski - Russland Reisen

8 Fragen an: Katrin Scheib

Katrin Scheib ist Journalistin und lebt seit einigen Jahren in Moskau. Zuletzt hat sie für n-tv.de über die Fußball-WM in Russland berichtet. Katrin betreibt zudem einen eigenen Blog, mit der interessanten Artikelreihe “Russball”, die es auch als Newsletter gibt. Hier fasst sie aktuelle Geschehnisse, lustige Fakten und diverse Kuriositäten rund um den russischen Fußball (aktuell auch zur Fußball-WM) zusammen. Sehr unterhaltsam! Hier musst Du unbedingt einmal vorbeischauen. Auf Twitter ist Katrin ebenfalls sehr aktiv, wenn Du Ihr folgen willst.

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© Pascal Dumont

In diesem Interview gibt Katrin sehr interessante Einblicke in ihr Leben in Moskau und teilt ihre Erfahrungen über Land und Leute. Sie spricht über ihre Bezug zum Fußball, ihre Lieblingsorte, interessante Reiseziele und die georgische Küche.

​8 Fragen an Katrin Scheib

1.) Wie bist Du nach Moskau gekommen?

Für die Sprache und das Land habe ich mich schon lange interessiert, seit bei uns an der Schule Russisch erst in der Projektwoche und dann als AG angeboten wurde - in der nullten Stunde, aber das war's wert. Außerdem hatte der Chor, in dem ich bis zum Abitur gesungen habe, eine Partnerschaft mit dem Chor des Marinskij-Theaters in St. Petersburg, dorthin ging also 1997 meine erste Russland-Reise. Später ergab sich dann durch meinen Mann, der ebenfalls Journalist ist, die Chance, für einige Jahre nach Moskau zu gehen. Dann habe ich mir von Deutschland aus in Moskau einen Job gesucht, und wir haben unsere Kisten und Koffer gepackt.

​2.) ​Wie ist das Leben in Moskau im Vergleich zu Deutschland / einer deutschen Großstadt?

Laut und lebendig, anregend und erschöpfend. Selbst Deutschlands größte Großstadt ist ja klein im Vergleich zu Moskau mit seinen 12 Millionen Menschen. Gerade der permanente Krach hat mir hier anfangs sehr zu schaffen gemacht – Baustellen, Verkehr, Musikbeschallung. Aber je mehr du hier Wurzeln schlägst, desto mehr gewöhnst du dich dran und kannst das genießen, was die Stadt dir eben auch bietet: Kultur mit unglaublich vielen Facetten, Geschichte satt, einen oft absurden, aber nie langweiligen Alltag.

3.) ​Woher kommt Deine (für eine Frau eher ungewöhnliche) Faszination für das runde Leder?

Das ist ja nun 2018 wirklich nichts Besonderes mehr – es gibt so viele weibliche Fans, so viele Spielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen, Kommentatorinnen und andere Sportjournalistinnen, da ist eine Bloggerin zu Fußballthemen nicht so spektakulär. Es ist höchstens die öffentliche Wahrnehmung, die da hinter der Realität herhinkt. Das sah man zuletzt ja bei so „Ich bin ja nicht frauenfeindlich, aber...“-Nummern wie der Hetze gegen Claudia Neumann und diversen dümmlichen WM-Werbekampagnen.

Meine Geschichte ist kurz: Ich habe mich immer für Fußball interessiert. Wenn dann so ein Großereignis wie die WM in das Land kommt, in dem du lebst, mit allem, was das nicht nur sportlich, sondern auch städtebaulich, organisatorisch, politisch heißt, dann ist das doch ein Thema, das man sich nicht entgehen lassen kann. Erst recht nicht, wenn es auch die Chance bedeutet, Leuten dieses Land näherzubringen, die sich grundsätzlich durchaus dafür interessieren, aber oft an der Sprachbarriere scheitern.

​4.) Was ist Deine Lieblingsstadt / Dein Lieblingsort in Russland?

Zumindest in Moskau haben viele meiner Lieblingsorte nicht viel mit den üblichen Touristenattraktionen zu tun, sondern mehr damit, was ich dort mit Freunden erlebt habe – die Keller und Korridore unter der Christ-Erlöser-Kathedrale, der Backstage-Bereich im Konservatorium. Ansonsten haben ich besonders schöne Erinnerungen an einen Hügel am Stadtrand von Murmansk, nördlich des Polarkreises. Da haben wir mal Silvester kurz nach Mitternacht im kniehohen Schnee gestanden und zum ersten Mal Nordlicht gesehen.

​5.) ​Welche Orte willst Du in Russland unbedingt noch besuchen?

Das ist eine lange Liste. Neulich habe mich mich zum Beispiel mit jemandem unterhalten, der eine Reise zu den Solowezki-Inseln plante, das lockt mich auch – die Geschichte des Gulags dort, die Steinlabyrinthe, von denen niemand so recht weiß, wozu sie gut waren. Aber wenn ich mir nur einen einzigen Ort aussuchen dürfte, dann vermutlich Manpupunjor. Egal ob Sommer oder Winter, diese Felsen sehen auf allen Bildern faszinierend aus. Neben denen würde ich gerne mal stehen, an ihnen hochgucken und diese Riesenklötze einfach mal auf mich wirken lassen.

​​6.) Was denkst Du über die russischen Leute / die russische Mentalität?

Ich weiß nicht, ob ich mir anmaßen kann, „die“ russische Mentalität zu beschreiben. Meine persönliche Erfahrung war jedenfalls immer wieder so, dass mir die Diskrepanz auffiel dazwischen, wie dir Fremde auf der Straße begegnen, wenn du zum Beispiel nach dem Weg fragst (unwirsch, bocklos, gerne auch mal, indem sie wortlos weitergehen), und wie herzlich, freundlich und hilfsbereit die Menschen, die man kennt, dann sind - selbst wenn es noch keine enge Bekanntschaft ist. Je mehr ich aber von Russland sehe, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass dieses Ruppige eine Moskauer Eigenart ist – anderswo, von Tula bis Irkutsk, habe ich deutlich mehr Hilfsbereitschaft und Offenheit erlebt. Meine bevorzugte Analogie, um das Leuten in Deutschland zu erklären, ist immer: Die Moskauer sind vom Naturell halt eher Berliner.

​​7.) Was ist Dein russisches Lieblingsgericht?

Lieblingsgerichte habe ich eher georgische: Chatschapuri, gefüllte Auberginenröllchen, eingelegte Tomaten, PkhaliChinkali. Georgisches Essen ist in Russland extrem beliebt, es gibt viele Restaurants mit georgischer Küche, da bin ich schnell auf den Geschmack gekommen. Wenn es aber doch russische Küche sein soll, dann überzeugen mich die süßen Sachen eher als die herzhaften: Sirniki zum Beispiel mache ich inzwischen auch selber oft zum Frühstück, wenn Besuch kommt.

​​8.) Wann hast Du Deinen Blog gestartet und warum?

Angefangen habe ich mit dem Bloggen, als ich 2012 für ein paar Monate nach China gegangen bin. Einerseits, damit Freunde und Familie mitverfolgen können, wie es dort ist. Andererseits aber auch, weil meine Redaktion mich für diese Zeit netterweise beurlaubt hatte – ein großes Entgegenkommen, aber ohne das Blog hätte mir das Schreiben in dieser Zeit sonst zu sehr gefehlt.

Hat Dir das Interview mit ​​Katrin gefallen? ​Ich freue mich auf Deine Rückmeldung! Schau auch unbedingt auf ​Katrin's Blog vorbei!

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