Eistauchen im Baikalsee [mit Video] - Schwabski - Russland Reisen
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Eistauchen im Baikalsee [mit Video]

​Ich habe mir ​bei meiner ​Winter-Reise zum Baikalsee gleich 2 Träume erfüllt. Zum einen ​habe ich eine Tour auf dem gefrorenen Baikalsee unternommen und durfte diese faszinierende und wunderschöne Eislandschaft ​​mit eigenen Augen genießen. 

Zum anderen war ich auch unter dem Eis unterwegs. Ich habe nämlich einen Tauchgang unter dem Eis unternommen und berichte Dir nun wie so ein Eistauchgang im Baikalsee genau abläuft.

​Meinen Tauchgang habe ich übrigens im Tauchzentrum Dive-Baikal gemacht. Es gibt aber sicher noch weitere Tauchzentren in Listwjanka oder Irkutsk, die so einen Tauchgang anbieten.

Anfahrt zum Tauchzentrum

Tauchzentrum in Listwjanka am gefrorenen Baikalsee

Das Tauchzentrum Dive Baikal befindet sich in Listwjanka. Es liegt direkt am Baikalsee und nicht weit von der Bushaltestelle in Listwjanka entfernt. Das Hotel Majak ist ebenfalls direkt daneben.

Von Irkutsk aus kommst Du am einfachsten mit dem Bus nach Listwjanka und kannst dann direkt zum Tauchzentrum laufen.

​​Kosten Eistauchgang

​Der Tauchgang kostet Dich insgesamt 7.000 Rubel (ca. 9​6 €)​​​ und dauert, je nach Luft und Kälteempfinden etwa 20 Minuten. Inklusive Vorbereitung und einer eventuellen Wartezeit, solltest Du ​mindestens 2 Stunden einplanen.

​Wenn Du von Deinem Tauchgang auch ein Video haben willst, ​kommen optional noch ​2.000 Rubel (ca. ​27,50 €) ​hinzu. Ich habe das Video mitgebucht und finde es eine tolle Erinnerung an dieses einzigartige Erlebnis!

So läuft die Vorbereitung ab

Nach einer freundlichen Begrüßung bekam ich zunächst eine kurze Einweisung auf Englisch. ​Der Mitarbeiter Andrej erklärte mir, ​wie ich meine Ausrüstung bedienen kann und wie ich mich dann unter Wasser verhalten soll. 

Ich habe bereits ein paar Tauchgänge hinter mir und bin auch zertifizierter Rescue-Diver, weshalb mir die Abläufe vor dem Tauchgang und unter Wasser bekannt sind. Meine Gedanken drehten sich mehr um die Wassertemperaturen und den Trockenanzug. Ich bin bisher nämlich nur mit Wetsuits im Salzwasser getaucht und war schon gespannt, wie der Unterschied im Süßwasser mit Trockenanzug ist.

Schwabski bei der Vorbereitung zum Eistauchgang im Baikalsee

Zu meiner normalen Kleidung mit Sweatshirt und warmer Hose, bekam ich noch warme Zusatzkleidung gestellt. Anschließend wurde​ ich mit der Hilfe von Andrej und einem weiteren Mitarbeiter förmlich in den Anzug hineingepresst.

​Nach dem die komplette Ausrüstung angelegt ​war, ging es auch ​schon hinaus Richtung ​Einstiegsloch. Das Loch ist nur wenige Meter vom Tauchzentrum entfernt und auf dem Weg wurde ich ​von ​Andrej begleitet. Er hatte mich im Arm und stellte siche​r, dass ich nicht ausrutschen und eine unsanfte Landung auf dem Eis hinlegen w​ürde.

Eingangsloch im Eis des Baikalsees für den Eistauchgang

Am Eisloch angekommen, wartete mein Guide ​Sergej bereits im Wasser auf mich. Mir wurden die Flossen angelegt und mit Hilfe ​von Andrej setzte ich mich an den Rand des Eislochs. Dann ging es auch direkt ins Wasser und ich griff mir noch hastig mein Mundstuck, da ich dachte nicht mehr stehen zu können. Diese Sorge war aber unbegründet, da ​das Wasser am Anfang des Eislochs noch nicht so tief war.

Schwabski beim Einstieg ins Wasser vor dem Eistauchgang im Baikalsee

​Der ​Tauchgang unter dem Eis des Baikalsees

​Ich stand also im Wasser am Ufer des Baikalsees und starrte durch das Loch im Eis in die Tiefe. Dann ging es los.​ Luft raus und ab​ nach unten.

Sergej ​schwamm voraus ​und ich folgte ihm​. Am Anfang machte mir allerdings der Trockenanzug und das Süßwasser schon ziemlich zu schaffen. An eine ruhige​ und gleichmäßige Atmung war da ​​nicht zu denken. Es waren einfach​ viele neue Eindrücke auf einmal, ​mit denen ich klar kommen musste. Die Kälte (wobei ich ​​sie im weiteren Verlauf des Tauchgangs gar nicht mehr gespürt habe), das beeindruckende Eis und die Unerfahrenheit mit dem Trockenanzug.

​Mal ​stieß ich fast ​mit dem Kopf gegen das Eis, weil ​zu viel Luft im Anzug ​war und dann wieder mit den ​Knien auf den Boden, weil ich zu viel Luft herausgelassen ​hatte. Das Spielchen ​ging so für einige ​Minuten ​weiter, aber dann konnte ich mich besser austarieren​, entspannter durch das Wasser gleiten und den Tauchgang endlich genießen.

Schwabski beim Eistauchen im Baikalsee

Jetzt hatte ich auch ein Auge für die unfassbare Schönheit des Eises. Die Sonnenstrahlen kamen durch und alles war sehr klar und hell, obwohl das Eis von oben mit Schnee bedeckt ​war.

Es ist schon unglaublich, welche Formen und Farben sich bei einem Blick von unten auf das Eis ergeben. Ich bin es beim Tauchen ja gewohnt, in eine ​​neue Welt abzutauchen, aber dieses Mal war es noch einmal ​eine ganz neue Erfahrung.

Schwabski beim Eistauchen im Baikalsee

​Unterwasser gab es so gut wie keine Fische, mir ist zumindest nur ein sehr kleines Exemplar aufgefallen. D​afür ​habe ich aber sehr viel Krill gesehen. Es war schon lustig, wie sich diese kleinen Krebstierchen in der Gruppe​auseinander bewegen, wenn man ​​ihnen näher kommt.

​Das Eis ist einfach unbeschreiblich schön.​ Mal ganz klar​, mal weiß​ oder in verschiedene Blautöne gehüllt. ​Die schönsten Eisformationen und Lichtspiele​, die Du Dir vorstellen kannst.

Am Ende des Tauchgangs, in der Nähe des Einstiegslochs, hat mein Guide mir dann auch gezeigt, ​wie ich mich, auf dem Kopf stehend, mit den Flossen am Eis festkleben k​ann.​

Schwabski beim Eistauchen im Baikalsee mit Kopfstand

Er hat es mir einmal vorgeführt und ich sollte es nachmachen. Im dritten Versuch hat es dann auch bei mir geklappt. Die vorigen Versuche sahen ​für Außenstehende aber eher wie ein ungelenkes Nilpferd beim ​Wassersport aus. 

Als ich dann auf Sergej​s anraten aber die ganze Luft aus dem Anzug ließ, klappe es direkt​. Als wenn ich das schon​ mein ganzes Leben so ​gemacht hätte.

​Der schönste Moment des Tauchgangs war für mich die Stille und Anmut, während ich kopfüber am Eis klebte. Das Sonnenlicht färbte das Wasser unter dem Einstiegsloch in einen tollen T​ürkiston​ und alles blieb für ein paar Sekunden stehen. Ich genoss noch einmal die Schönheit des Eises​ und fühlte große Dankbarkeit, dass ich so etwas ​Einzigartiges erleben darf.

​Voller Euphorie​ kam ich wieder an die Oberfläche. Mir wurden von Sergej meine Flossen ausgezogen und so konnte ich über eine kleine Treppe aus dem Loch steigen.

Schwabski im Eingangsloch im Eis des Baikalsees nach dem Eistauchgang

​Nach dem Tauchgang unter dem Eis

​Der Ausstieg war ganz schön rutschig und ​mit der Druckluftflasche auf dem Rücken war ich froh,​ wieder unbeschade​t ins Tauchzentrum zu ​gelangen.

Sonst fühlte ich mich aber sehr gut und habe während dem Tauchgang (bis auf den Anfang) auch keine Kälte gespürt​. ​Ich war viel zu sehr mit dem Eis beschäftigt. Nach dem Tauchgang ​habe ich ​nur ein Brennen im Gesicht bemerkt, was aber nicht weiter schlimm und aufgrund der Wassertemperaturen von + 0,5° C auch ganz normal war.

Schwabski beim Ausstieg aus dem Wasser nach dem Eistauchgang im Baikalsee

Insgesamt war ich 22 Minuten unter dem Eis und auf einer maximalen Tiefe von 12 Metern. Andrej hat mir dann auch noch ​erzählt, dass jährlich nur eine Hand voll Deutscher diesen Tauchgang ​machen​. Dafür aber umso mehr Chinesen. Die​ Tauchgänge der chinesischen Touristen beschränken sich aber auf wenige Minuten. Die durchschnittliche Tauchzeit aller Teilnehmer liegt übrigens bei ca. 7 Minuten.

Mit meinem Eistauchgang-Zertifikat gab es dann noch ein Abschlussfoto vor dem Eingangsloch. Eine schöne Erinnerung!

Schwabski mit Urkunde nach erfolgreichem Eistauchgang im Baikalsee

​Kannst Du Dir so einen Eistauchgang ​​auch vorstellen oder hast Du einen Tauchgang im Eis schon selbst einmal gemacht? ​Ich bin auf Deinen Kommentar gespannt!

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